Polnischer Korridor

Ein ca. 30 bis 90 km breiter Landstreifen, der Ostpreußen in den beiden Weltkriegen von Deutschland trennte, wird als polnischer Korridor bezeichnet. Er bestand größtenteils aus der ehemaligen Provinz Ostpreußen, einem Teil der Provinz Posen sowie der Freien Stadt Danzig. Der polnische Korridor wurde 1919 nach dem Ersten Weltkrieg mit dem Versailler Vertrag besiegelt. 1920 gingen die Gebiete des Korridors an Polen über und bildeten den Verwaltungsbezirk Pommern. In den folgenden Jahrzehnten wurde immer wieder versucht, die festgelegten Grenzen des Versailler Vertrages zu revidieren. Das Gebiet war überwiegend Agrarland, finanzielle Hilfen für die Bauern des Korridors brachten wenig oder landeten in den Taschen der Funktionäre.

Die NSDAP versprach den Bewohnern des polnischen Korridors neue Unabhängigkeit und gewann auf diese Art deren Wahlstimmen. 1932 war Ostpreußen fest in nationalsozialistischer Hand, da sich sowohl der Adel als auch die Bauern Vorteile davon erhofften. 1938 brannte die Synagoge von Königsberg, Juden und Regimegegner wurden verschleppt, der Ostpreußenplan nahm Gestalt an. Die Gegend bekam eine Autobahn, und wirtschaftlich ging es bergauf. Bauern erhielten günstige Kredite, gesellschaftliche Klassen wurden aufgelöst und die Abnahmepreise für Agrarerzeugnisse konnten sich sehen lassen.

Im Gegenzug verloren viele Gebiete allerdings ihre slawischen und preußischen Namen, alles was nicht deutsch genug war, wurde entsprechend umgeändert. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Korridor ab 1939 nach dem Polenfeldzug wieder an Deutschland angegliedert. 1945 fiel er wieder zurück an Polen und wurde 1990 nach diversen Verzichtserklärungen deutscher Nachkriegsregierungen endgültig aufgelöst. Die Gebiete des polnischen Korridors gehören heute wieder zu Pommern.

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